20.04.12 | ukm/ks
Vorhofohrverschluss per Katheter
Kardiologen am Universitätsklinikum Münster (UKM) bieten Alter-native zur Behandlung mit Gerinnungshemmern

Vorhofohr-Okkluder: spezieller Metallschirm. Der sogenannte Vorhofohr-Okkluder wird zusammengezogen, über einen Katheter an die richtige Stelle gebracht und entfaltet. So wird das Vorhofohr verschlossen.
Als einzige Klinik im Münsterland bietet das Universitätsklinikum Münster (UKM) eine neue Behandlungsmethode für Patienten an, die einerseits Schlaganfall-gefährdet sind – meist aufgrund von Vorhofflimmern - und andererseits ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Blutungen haben. Diesen Patienten kann jetzt mit dem Einsetzen eines sogenannten Vor-
hofohr-Okkluders per Katheter sicher geholfen werden. UKM-Kardiologe Dr. Dieter Fischer: „Diesen speziellen Metallschirm zieht man ganz zusammen, bringt ihn über den Katheter an die richtige Stelle, entfaltet ihn und verschließt so das Vorhofohr.“ Hintergrund: Genau dort bilden sich häufig Blutgerinnsel. Wandern diese ins Gehirn, verursachen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schlaganfall. Mit dem Verschluss des Vorhofohrs wird diese Gefahr erheblich reduziert. Gleichzeitig ist die Einnahme bestimmter Blutverdünner (z.B. Marcumar) dann nicht mehr notwendig.
Eingriff so schonend wie möglich
Bereits vor mehreren Jahren haben Chirurgen begonnen, das Vorhofohr bei Risikopatienten zuzunähen, so Fischer: „Die Chirurgen haben das Vorhofohr vor allem dann operativ verschlossen, wenn sie so oder so am Herzen operierten. Schon da merkten die Spezialisten, dass diese Methode gut funktioniert. Damit der Eingriff für die Patienten so schonend wie möglich geschieht, und nicht unbedingt der Brustkorb geöffnet werden muss, wurden die Kardiologen erfinderisch und erfanden das schonendere Katheter-Verfahren.“
Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten gleichgestellt
In den meisten Fällen werden Patienten mit Vorhofflimmern dauerhaft mit sogenannten Gerinnungshemmern behandelt. Das bekannteste Medikament ist Marcumar, aber auch neuere Medikamente werden erfolgreich eingesetzt. Doch für manche kommt diese Therapie aufgrund eines hohen Blutungsrisikos nicht in Frage. Das sind laut Fischer zum Beispiel Patienten, die durch die Gerinnungshemmer bereits erhebliche Blutungen hatten. „Für diese Patienten ist der Katheter-basierte Vorhofohrverschluss eine sehr gute Alternative“.
Erstmals wurde am UKM das Vorhofohr eines Patienten per Katheter im Februar diesen Jahres erfolgreich verschlossen. Die Kardiologen des UKM rechnen mit bis zu 30 Eingriffen dieser Art pro Jahr.
Univ.-Prof. Dr. med. Johannes Waltenberger, Direktor der Klinik für Kardiologie und organisatorischer Leiter des Departments für Kardiologie und Angiologie am UKM: „Es ist ein klarer Vorteil für alle Patienten im Münsterland, dass wir diese schonende Methode ab sofort wohnortnah anbieten können.“
Ansprechpartner am UKM
Department für Kardiologie und Angiologie
Dr. med. Dieter Fischer, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, internistische Intensivmedizin, Schwerpunkt Kardiologie
T: +49 (0) 251 / 83 - 4 50 78
E-Mail: Dieter.Fischer(at)ukmuenster(dot)de
Internet: www.ukmuenster.de
<- Zurück zu: Archiv 2012